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Homopolis Berlin

Ob ein Bier in der weltbekannten Tom's Bar, ein Rundgang im einzigartigen Schwulen Museum oder ein Cocktail in der schicken Heilen Welt: Berlin ist mit Sicherheit eine der faszinierendsten Metropolen für Schwule in Europa.
Hier begann mit dem Engagement des Sexualwissenschaftlers Magnus Hirschfeld vor etwas über einhundert Jahren die moderne Homo-Emanzipationsbewegung, deren Fortschritte im letzten Jahr bekanntlich auch erstmals mit Klaus Wowereit einen Bürgermeister ermöglichten, der sich ohne große Probleme zu seinem Schwulsein bekennen konnte.
Heute erwartet Besucherinnen und Besucher im immer noch zusammenwachsenden Berlin ein vielfältiges Angebot an Cafès, Kneipen, Restaurants, Clubs, Partys sowie schwuler und lesbischer Kultur. Szene-Highlights sind beispielsweise der TEDDY-Award (die feierliche Verleihung des wichtigsten schwullesbischen Filmpreises der Welt zur Berlinale im Februar), das Fetisch-Treffen an Ostern, das gigantische schwullesbische Stadtfest rund um die Motzstraße im Juni. der Hauptstadt-CSD am vorletzten Juni-Samstag oder Folsom Europe am 1. Septemberwochenende.
Doch auch ohne herausragendes Ereignis bietet die Homo-Infrastruktur Berlins das ganze Jahr über eine wohl einmalige Vielfalt. Die schiere Größe der Stadt, die Folgen von 40 Jahren Teilung und nicht zuletzt die ausgeprägte alternative Subkultur des ehemaligen Westberlin tragen zu einer Buntheit der Szene bei, die von den traditionellen Lederkneipen in Schöneberg über die Kreuzberger alternative Tradition bis hin zum schicken Bar-„Lounging„ im Bezirk Mitte reicht. Das konzentrierte Geschehen erstreckt sich über sechs Innenstadtbezirke, von denen jeder einen ganz eigenen Charme hat.
Zum Beispiel Schöneberg: Im „Bermuda-Dreieck„ am Nollendorfplatz sind schon viele verloren gegangen, um erst am nächsten Morgen wieder aufzutauchen. Zwischen Motzstraße, Kleiststraße und Martin-Luther-Straße und in der näheren Umgebung finden Besucher eine Konzentration schwullesbischer Infrastruktur, die es schon vor 100 Jahren zu weltweiter Bekanntheit gebracht hat: Schöneberg ist der Traditionskiez mit den ältesten Kneipen und der größten Vielfalt. Schicke Cocktailbars, unzählige Bierkneipen mit Darkrooms, eine Handvoll Sexshops und -kinos sowie zwei Discos ballen sich hier auf kleinster Fläche.
Etwas weiter im Westen, im edleren Bezirk Charlottenburg-Wilmersdorf links und rechts von der Einkaufsmeile und Touristenfalle Ku’damm, lohnt ein Besuch in der Bar jeder Vernunft, wo alle auftreten, die in der deutschen Kleinkunst einen Namen haben, oder im Buchladen Prinz Eisenherz, bei dem wirklich jedes schwule oder lesbische Buch erhältlich ist.
Von hier aus geht es ab durch die Mitte. Der gleichnamige boomende (Ost-)Innenstadtbezirk zwischen Brandenburger Tor und Alexanderplatz ist Ausgangspunkt für die meisten Berlin-Besucher.
Von hier aus geht es ab durch die Mitte. Der gleichnamige boomende (Ost-)Innenstadtbezirk zwischen Brandenburger Tor und Alexanderplatz ist Ausgangspunkt für die meisten Berlin-Besucher.
Direkt nördlich schließt sich der inzwischen fast fertig sanierte charmante Bezirk Prenzlauer Berg an. Zu DDR-Zeiten trafen sich hier Schwule und Lesben in einem halben Dutzend Traditionsläden. Mittlerweile hat sich "Prenzl'berg" zu einem weiteren schwullesbischen Zentrum entwickelt – vom Buchläden über Bars bis zu Darkroomkneipen und einer Sauna ist alles vorhanden. Seine familiäre Atmosphäre hat der Ost-Kiez sich dennoch bewahrt.
Irgendwie eine große Familie sind auch die Schwulen und Lesben in Kreuzberg. Kreuzberger Nächte sind nicht nur immer noch lang, sondern auch besonders bunt. Hier werden phantasievolle Partys gefeiert, hier paradieren die schönsten Drag Queens und -Kings – nicht zuletzt auch im traditionsreichen SchwuZ, der Mutter der Westberliner Szene.

(Fotos: Alain Rappsilber)